ICV präsentierte Chanticleer in Siegen

Zu einem Benefizkonzert, das der ICV überregional präsentieren durfte, machte eines der führenden Vokalensembles der Welt im Rahmen ihrer Europatournee „Upon this Rock“ Station in Siegen.

Chanticleer – als „weltweit führender Männerchor“ vom New York Magazine gepriesen – das sind 12 Männerstimmen vom Countertenor bis zum Bass, die durch ihren hervorragenden und breigefächerten Ensembleklang den Namen „Orchestra of Voices – Orchester der Stimmen“ erhielten. Viele ICV-Mitglieder nutzten an diesem Tag die Möglichkeit dieses Spitzenensemble live zu erleben, hatte der Verband doch eine Anzahl von vergünstigten Plätzen für sie reserviert. Matthias Merzhäuser, Organisator und 2. Vorsitzender des Internationalen Chorleiterverbandes (ICV), begrüßte die zahlreichen Besucher in der Haardter Kirche in Siegen-Weidenau. Er bedankte sich bei den vielen Helferinnen und Helfern, ohne die das Konzert nicht hätte stattfinden können. Namentlich bei Initiator Willi Becker aus Bad Ems, dem Veranstalter Gesangverein Einigkeit Herzhausen e.V. mit seinem Vorsitzenden Philipp Kreuz und dem ICV als überregionalem Präsentator des Konzertes.
Merzhäuser „ernannte“ für diesen Abend Siegen zum „Mittelpunkt des weltweiten a-cappella-Gesangs“, eine Einschätzung, die die Konzertbesucher nach dem Auftritt von Chanticleer ohne Einschränkung teilten.

Beeindruckend auch die persönlichen Erfahrungen, die Merzhäuser von seiner erst kürzlich erfolgten Reise auf die Philippinen, wiedergab. Hier ist er mit seinem gemeinnützigen Verein „Pro-Fil-Hilfe für Kinder in Not“ seit vielen Jahren im persönlichen Einsatz, um mit Spendengeldern Kindern vor Ort den Schulbesuch zu ermöglichen, für Ernährung und medizinische Betreuung zu sorgen. Diesem Verein soll der Erlös des Benefizkonzertes zugute kommen!

Das Konzert von Chanticleer stand unter dem Leitgedanken: Tu es Petrus – Upon this rock („Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde!“). Im 1. Konzertteil stand Musik aus der Renaissance. Eine Musik aus einer „Hochzeit“ der kunstvollen Polyphonie, die die 12 Sänger mit ihren herausragenden Stimmen mit bewundernswerter Intonationssicherheit und Klarheit umsetzten. So das doppelchörige „Duo seraphin“ von Jacob Handl und das in der Osterzeit erklingende „Vidi aquam“ von Cristóbal de Morales, beginnend mit gregorianischem Choralgesang.

Sicherlich ein Höhepunkt war die Aufführung der „Missa Tu es Petrus“ von Giovanni Pierluigi da Palestrina. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewältigten die 12 Sänger von den höchsten Höhen bis zu den tiefen Lagen das Werk des Meisters der Polyphonie. Eine Messe, die erst rund 300 Jahre (1887) nach dem Tode des Komponisten veröffentlicht wurde.
Mit den „Vier kleinen Gebeten des Heiligem Franziskus von Assisi“ von Francis Poulenc, dem Mittler zwischen den Klangwelten der Spätromantik und der melodischen Moderne, leitete Chanticleer die 2. Konzerthälfte ein. In dieser melodisch und harmonisch eigenwilligen Vertonung zeigte sich das große Können und die große Musikalität der 12 Sänger.

Im Schlussteil des Konzertes konnte man Chanticleer gleichsam in ihrem Element erleben, nämlich bei der beseelten und begeisternden Interpretation der amerkanischen Folk-Hymnen „Hark, I hear the harps eternal – I will arise and go to Jesus – Saints bound for heaven“. Lieder, die die Erwartung auf das „himmlische Heim“ nach dem Tode ausdrücken. Chanticleer sang mit großer Empathie und stimmlichem Können und ließ so den Funken der geistlichen Lieder auf die begeisterten Zuhörer überspringen. Die Begeisterung der Konzertbesucher war so groß, dass mit stehendem Applaus noch zwei Zugaben von Chanticleer „eingefordert“ wurden, die die 12 Sänger bereitwillig gaben. So standen am Ende des Konzertes das „I wanna die easy“ und der Mahalia-Jackson-Song „Keep your Hands on the Plow“. Der Internationale Chorleiterverband bedankt sich bei allen, die zum Gelingen dieses hervorragenden Konzertes beigetragen haben und freut sich, dass er diesen Event überregional präsentieren durfte.

Autor: Wolfgang Dahms